Unsere Streuobstbäume
Zur Geschichte unseres Streuobsts auf dem Feuerleshof – Stand Dezember 2020
Wie die Bewohner anderer Höfe auch, lebte man auf dem Feuerleshof Jahrhunderte lang autark, weitgehend unabhängig von außen. Die eigenen Ernten lieferten genug zum Leben. Brot buk man in einem noch heute erhaltenen Backhaus, und bis in die 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts fand auch das Wasser der hofeigenen Quelle Verwendung – sowohl zum Trinken als auch zum Waschen, wovon ein noch erhaltenes Waschhaus aus dem 16. Jahrhundert zeugt.
An das öffentliche Wassernetz wurde der Hof erst 1988 angeschlossen. Grund war die auferlegte Hygieneverordnung für Milchkuhhaltung.
Auch als das Wissen von Vitaminen, Kalorien und Nährwerten noch weitgehend fehlte, wusste man doch aus Erfahrung um die Bekömmlichkeit und die Lebenskraft spendende Wirkung von Obst. So ist es nicht erstaunlich, dass schon seit langer Zeit viele Streuobstbäume angepflanzt wurden, die dem Feuerleshof nach und nach einen hohen Bekanntheitsgrad verliehen.
Man beließ es natürlich nicht beim Essen. Ein großer, in den Berg gebauter Keller bot vielen hundert Litern Most Platz, der als täglicher Durstlöscher den harten Arbeitstag etwas erleichterte,
Da nicht der ganze Most abgetrunken werden konnte, entwickelten sich im Lauf der Jahre Mutterhefen, Grundvoraussetzung für hervorragenden Essig. Das ist noch heute so, und der Essig des Feuerleshofes kann gerne probiert und auch mitgenommen werden.
Die geernteten Äpfel und Birnen wurden im Haus kühl und trocken gelagert und konnten ganzjährig verzehrt werden.
Leider vernachlässigten die Vorbesitzer in den letzten Lebensjahren aus Altersgründen die zahlreichen Streuobstbäume. Das belegen zahlreiche Misteln, die auf den Ästen gewachsen sind. Erst in den letzten Jahren wurden nach und nach das Streuobst von uns wiederentdeckt und in seiner Bedeutung gewürdigt.
Um die Bäume fachmännisch zu pflegen und damit auch etwas für die Allgemeinheit zu tun, baten wir im Jahr 2020 die Abteilung Garten und Landschaftsbau der Lebenshilfe Göppingen um Rat und Tat. Mit Herrn Pressmar als Fachmann für Streuobstbau lüfteten wir in mehreren Tagen und Etappen erst einmal grob die Bäume aus. Der weitere Feinschnitt erfolgte dann in 2021.
Im Zuge des Baumschnittes offenbarte sich uns eine unerwartet große Vielfalt an unterschiedlichen Obstsorten.
Um diese alten Sorten korrekt mit Namen zuzuordnen, zählten und nummerierten wir die Bäume und katalogisierten sie mit Hilfe eines Pomologen. So erfassten wir nach und nach schließlich über hundert Bäume!
Gelbmöstler Birne, Baumanns Renette, Pastorenbirne, Odenwälder Apfel, Pitmaston, Gewürzluike, Linsenhofer Sämling, Berner Rosenapfel, etc., etc., etc. – alleine schon die oft romantisch klingenden alten Namen der Äpfel und Birnen lassen in uns eine gewisse Ehrfurcht vor der Arbeit unserer Vorgänger entstehen.
Außer 25 verschiedenen Apfelsorten entdeckten wir auch 9 Birnensorten auf dem Gelände; hinzu kommen etliche Kirsch-, Zwetschgen- und Mirabellenbäume.
Natürlich folgten wir gerne alten Traditionen und dachten auch im Jahr 2020 nicht nur ans Essen … Aus Kirschen und „Champagner-Bratbirnen“ wurden etliche Liter edler Schnaps. Dieses leckere Erzeugnis ungespritzter, naturbelassener Streuobstbäume verkaufen wir gerne.
Wir haben vor, so viele alte Bäume wie möglich zu reaktivieren und die verschiedenen Obstsorten teilweise zu vermarkten.
Wer Interesse hat, ist herzlich dazu eingeladen, mit uns einen Besuch zu vereinbaren.